Neue Umfrage: Gesundheit in Zeiten von COVID-19

Kenner des österreichischen Gesundheitssystems wissen es bereits: Die Coronavirus-Pandemie hat vieles auf den Kopf gestellt. Insbesondere hat COVID-19 vielerorts den Einsatz von digital health nötig und möglich gemacht - sei es um die richtigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu finden, Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln, oder vor allem auch die medizinische Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Und das - zunächst - in einem für unmöglich gehaltenen Tempo und Umfang.

Eine Umfrage von Demox Research in Kooperation mit dem Austrian Health Forum bildet nun einen Teil dieser Entwicklung - den verstärkten Einsatz von Telemedizin - aus der Perspektive der österreichischen Bevölkerung ab.

Einsicht eins: Der überwiegende Teil der Befragten ist mit der Gesundheitsversorgung und dem medizinischen System in Österreich zufrieden. Mehr als 80 Prozent geben an, damit entweder sehr oder eher zufrieden zu sein. 

Beachtenswert dabei ist, dass die Zufriedenheit im Vergleich zum letzten Jahr - in dem dieselbe Frage in einer ident aufgebauten Umfrage gestellt wurde - stark zugenommen hat. Möglicherweise hat hier die Coronavirus-Pandemie die Vorzüge des österreichischen Gesundheitssystems stärker ins Bewusstsein beziehungsweise in den Fokus der Bevölkerung gerückt.

 

 

Einsicht zwei: Nach wie vor ist die Zahl der ÖsterreicherInnen, die Erfahrungen mit Telemedizin gemacht haben, gering. Im Vergleich zum Vorjahr jedoch ist diese Zahl richtiggehend hinaufgeschnellt - um 300 Prozent.

40 Prozent der Befragten geben an, insbesondere seit Beginn der Coronavirus-Krise telemedizinisch betreut worden zu sein. Für die Partner des AHF und alle, die das österreichische Gesundheitssystem mitgestalten und beobachten, bestätigt das die Erfahrungen der letzten Wochen: Telemedizin ist für viele Gesundheitsdienstleister ein Weg, die medizinische Versorgung in der Krise - und damit angesichts der Notwendigkeit Kontakte zu reduzieren - aufrechtzuerhalten.
 

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Einsicht drei: Menschen in Österreich sehen Telemedizin vorsichtig positiv, aber Bedenken bleiben. 

Knapp die Hälfte der Befragten sehen Vorteile in der Nutzung von telemedizinischen Anwendungen und fast 60 Prozent sprechen sich für eine Beibehaltung über die Krise hinaus aus. Allerdings sehen 35 Prozent die Nachteile der Telemedizin im Vordergrund und immerhin 42 Prozent wünschen sich nicht, dass sie nach der Zeit des Coronavirus weiter angeboten wird.
 

 

Einsicht vier: Telemedizin kann Effizienzgewinne bringen, wo es um die Klärung leichterer medizinischer Fragen geht, manche Anliegen brauchen aber den direkten Kontakt mit einem Arzt oder einer Ärztin.

So finden die Befragten, die sich für die Beibehaltung telemedizinischer Angebote aussprechen, Telemedizin vor allem hilfreich, um Zeit zu sparen, um sich mit Hilfe ärztlichen Rates im Gesundheitssystem besser zurechtzufinden und um ein Ansteckungsrisiko beim Besuch in einer Praxis zu vermeiden.

Die Befragten, die sich gegen die Beibehaltung telemedizinischer Angebote aussprechen, führen hingegen an, dass viele Untersuchungen ohne persönlichen Kontakt schlicht nicht möglich sind, dass es schwierig ist, auf Distanz ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, und dass Telemedizin noch nicht ausreichend effektiv ist, weil manche begleitenden Erledigungen (etwa die Überweisung zum Facharzt) noch nicht vollständig digital funktionieren.

Diese Argumente für und wider sind nicht unbedingt ein Widerspruch. Sie könnten zunächst einen Hinweis darauf geben, in welchen Bereichen der verstärkte Einsatz von Telemedizin aktuell besonders sinnvoll ist, und in welchen der persönliche Kontakt vorzuziehen ist. 

Telemedizin zur besseren Terminkoordination, zur Abklärung leichter Akutfälle und einfacher medizinischer Fragen, und zum Monitoring chronisch Kranker kann große Einsparungspotentiale für das Gesundheitssystem und eine risikoärmere und bessere Betreuung bei chronischen Erkrankungen bringen. Telemedizin kann damit auch Zeit und Raum frei machen für umfangreichere Untersuchungen und persönliche und längerfristige Begleitung, die bei komplexeren, schwerwiegenderen und anhaltenden Erkrankungen gebraucht werden.  

Klar ist auch, dass Telemedizin erst dann wirklich effektiv sein kann, wenn der Rahmen passt. Unter anderem muss das digitale Umfeld, in das sie eingebettet ist – von kontaktlosem "E-Card Stecken" bis zur digitalen Überweisung und darüber hinaus – flächendeckend und reibungslos funktionieren.